Dienstag, 29. april 2008

Journalisten warnen vor «feindseligem Umfeld» zu Olympischen Spielen.

Journalisten haben vor einem «feindseligen Umfeld» für ausländische Medien in China zu den Olympischen Spiele gewarnt. 100 Tage vor Beginn der Spiele häuften sich Anfeindungen gegen Korrespondenten sowie «Verteufelungen» der westlichen Medien in offiziellen Äußerungen, wie der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) heute in Peking erklärte. Von den Auswirkungen seien nicht nur in China stationierte Reporter betroffen, sondern künftig auch zehntausende Journalisten, die zusätzlich für die Zeit der Spiele nach China kommen wollen.

«Wenn sie weiter geduldet werden, könnten die Behinderungen bei der Berichterstattung und die Hass-Kampagnen gegen die internationalen Medien die vorolympische Atmosphäre für ausländische Journalisten vergiften», warnte FCCC-Präsidentin Melinda Liu. Mindestens zehn Korrespondenten hätten parallel zu der in den Staatsmedien und dem Internet laufenden Kampagne gegen angebliche «Voreingenommenheit» der westlichen Medien in ihrer Tibet-Berichterstattung sogar anonyme Todesdrohungen erhalten.

Derzeit komme es zudem verstärkt zu Behinderungen bei der Arbeit von Auslandsjournalisten in von Tibetern bewohnten Gebieten. Seit dem Ausbruch der Unruhen am 14. März in Lhasa seien dem Club mehr als 50 derartige Fälle bekanntgemacht worden.

von Dillon veröffentlicht in: Politik
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Freitag, 25. april 2008
Dass die Olympischen Spiele 2008 in Peking stattfänden, sei sehr wohl eine politische Entscheidung und daher könne man sich auch nicht auf Sportberichterstattung reduzieren, erklärte Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" beim European Editors Forum in Wien.

Wien - Tote in Tibet, Olympische Spiele in Peking - wie gehen die Journalisten damit um? Beim European Editors Forum 2008 diskutierten gestern im Wiener Rathaus der Europa-Gesandte des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen, und Chefredakteure europäischer Medien unter der Leitung von "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker über die zu erwartende journalistische Gratwanderung der nächsten Monate.

"Wir dürfen das Licht nicht ausknipsen, sondern müssen vielmehr unsere Scheinwerfer auf die dunklen Seiten in China richten", sagte Andreas Cichowicz, Chefredakteur des NDR und für die ARD für die Chinaberichterstattung zuständig, auf die Frage, ob ein Boykott das angemessene Mittel der westlichen Welt auf die Vorgänge in Tibet sei. Diese Haltung unterstützte auch Gyaltsen, der den Medien allerdings vorwarf, dass sie in den zurückliegenden Jahren die unmenschliche Entwicklung in Tibet überhaupt nicht berücksichtigt haben. Der Chefredakteur der Schweizer Tageszeitung "Le Matin", Peter Rothenbühler, nahm diese Kritik an: "Es stimmt, unsere Frauen lesen mit Begeisterung die Bücher des Dalai Lama und er ist unbestritten eine der weltweit ganz großen charismatischen Figuren, aber getan haben wir für die Anliegen Tibets nichts."

Intensiv wurde beim Editors Forum, das traditionell der Höhepunkt am letzten Tag beim European Newspaper Congress ist, über die Rolle des IOC diskutiert. "Was wir eben erleben, ist eine riesige Heuchelei", sagte der Informationsdirektor des ORF, Elmar Oberhauser. Das IOC habe vollkommen versagt, denn man wusste ganz genau, was in Tibet passiert. "Herr Rogge hätte zehn Jahre lang Zeit gehabt, auf die Probleme aufmerksam zu machen, und man hätte in letzter Konsequenz die Olympischen Spiele erst gar nicht an China vergeben dürfen", sagte Oberhauser. Und im übrigen könne man schon gespannt sein, wie wir uns in einigen Jahren mit demselben Thema beschäftigen werden, dann aber in Tschetschenien. Er sei grundsätzlich dafür, dass die Spiele in China stattfinden, sagte Rothenbühler, weil China derzeit einer der weltweit spannendsten Schauplätze sei. "Es ist allerdings völlig falsch, politische Anliegen an China an das IOC und die Sportler zu delegieren. Das IOC ist eine undemokratische, leicht korrupte und von Geld gesteuerte Organisation"; sagte der "Le Matin"-Chefredakteur.

Dass die Olympischen Spiele 2008 in Peking stattfänden, sei sehr wohl eine politische Entscheidung und daher könne man sich auch nicht auf Sportberichterstattung reduzieren, erklärte Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau". Man müsse sich aber ernsthaft fragen, ob die Redaktionen auf diese Situation ausreichend vorbereitet seien. NDR-Chefredakteur Cichowicz sieht für die ARD diese Hausaufgabe als erledigt an. Bereits 2007 habe die ARD das Studio in Peking auf vier Reporter aufgestockt, drei davon sind übrigens Frauen. Mit Sorge beobachte er aber den wachsenden Druck in Deutschland. Kritische Fragen an die Wirtschaft und an Sponsoren, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen, hätten dem NDR bei Volkswagen großen Ärger eingebracht. Interviews der NDR-Sportberichterstatter würden derzeit konsequent von VW verweigert.

Dass die Eröffnung der Spiele 2008 in Peking eine "Eröffnung der leeren Stühle wird", träumt Rubina Möhring, Vizepräsidentin von Reporter ohne Grenzen. Auch der Europa-Gesandte des Dalai Lama mahnte die Regierungschefs in der Wahl ihrer Gesten. China fürchtet den Gesichtsverlust, wenn die Chefs nicht zur Eröffnung der Spiele kommen würden. Er selbst fürchte aber, dass nach diesem Sommer in Tibet noch alles viel schlimmer kommen wird. "Die Chinesen werden alles unternehmen, dass es nie wieder eine Erhebung der Tibeter geben wird, so wie wir sie derzeit erleben"; sagte Gyaltsen.

von Dillon veröffentlicht in: Politik
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Freitag, 25. april 2008
Reporter ohne Grenzen hat heute die chinesische Regierung aufgerufen, die Einreise von ausländischen JournalistInnen nach Tibet und in die angrenzenden Provinzen ab sofort wieder zuzulassen.

Seit 14. März ist es JournalistInnen verboten, sich in Tibet und den von Tibetern bewohnten angrenzenden Gebieten frei zu bewegen. Reporter ohne Grenzen sind 50 Fälle von JournalistInnen bekannt, die seit Mitte März daran gehindert wurden, sich in Tibet frei zu bewegen.

„Was versteckt die chinesische Regierung hinter den geschlossenen Türen Tibets? Die Situation ist von einer Normalisierung, wie sie die chinesischen Behörden behaupten, weit entfernt. Die wenigen Berichte aus Tibet zeichnen ein völlig anderes Bild, das von Verhaftungen und einem Klima der Angst in den Städten und rund um die Klöster geprägt ist“, so Rubina Möhring von ROG Österreich.

„Die Nachrichtensperre erleichtert die Regierungspropaganda, aber auch die Verbreitung zahlreicher Gerüchte. Wir appellieren daher an die Europäische Union und an die Vereinten Nationen, auf die chinesische Regierung entsprechend einzuwirken, damit sich ausländische JournalistInnen in Tibet und den angrenzenden Regionen wieder frei bewegen können,“ so die Präsidentin der österreichischen Sektion von ROG weiter.

Journalistenreise wegen „meteorologischer Probleme“ verschoben

Die Organisatoren der Olympischen Spiele haben gestern angekündigt, eine geplante Pressereise auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die JournalistInnen hätten den Versuch begleiten sollen, die Olympische Flamme auf die Spitze des Mount Everest zu bringen. Zunächst hätten sie sich in der tibetischen Hauptstadt Lhasa an die dortigen 3650 Meter Seehöhe gewöhnen sollen. Dieser Teil der Reise würde jedoch abgesagt, was von den Behörden mit „meteorologischen Problemen“ begründet wurde. „Nur die Berichterstattung über den Fackellauf wird zugelassen“, so ein Behördenvertreter.

Staatliche Medien sprechen von „Randalierern“ und „Rückkehr zur Normalität“.

Die chinesischen Behörden haben eine massive Propagandakampagne in Gang gebracht, die die Tibeter als „Randalierer“ und „Terroristen“ darstellt. In den Aussendungen der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua ist von einer „Rückkehr zur Normalität“ und Waffenfunden in buddhistischen Tempeln zu lesen. Xinhua berichtete, dass die Behörden in elf Klästern in Gansu Handfweuerwaffen, Dynamit und Satellitenschüsseln gefunden hätten. Auch die chinesischen Fernsehsender wurden aufgefordert, weiterhin Bildmaterial über von Tibetern ausgeübte Gewalt in Lhasa und anderen Städten zu senden.

Der Propagandakampagne gegen die „Clique des Dalai Lama“ wird auch in jenen chinesischen Medien, die ihren Sitz im Ausland haben, viel Raum gegeben. Die fremdsprachigen staatlichen CCTV-Sender zeigen nur Gewalt, die von Tibetern ausgeht, und niemals die darauf folgenden Repressalien. Ouzhou Shibao („Nachrichten Europas“) brachte ebenfalls eine ganze Seite über Tibet, die lediglich die offizielle Position der Regierung wieder gab.

Ausländische Radiosender durch Störfunk überlagert

Um zu verhindern, dass die chinesischen Bevölkerung Zugang zu unzensurierten Nachrichten bekommt, werden ausländische Radiosender wie Voice of Tibet und Radio Free Asia entgegen den internationalen Abkommen über Kurz- und Mittelwellenfunk vermehrt durch Störfunk überlagert. So berichtet Oystein Alme, Direktor von Voice of Tibet: „Wir haben seit 16. März einen wesentlichen Anstieg des Störfunks bemerkt, vor allem in den Städten, wo die Regierung hunderte Millionen Dollar investiert hat, um Antennen zu installieren, damit die Tibeter unser Programm nicht hören können.“

Pro-tibetische Organisationen werden auch von chinesischen Internet-Usern und Hackern schikaniert. Die Seite der tibetischen Exilregierung wurde kürzlich durch eine Gruppe chinesischer Hacker unerreichbar gemacht. Auch diverse ausländische Medien (vor allem Websites, auf denen Kommentare gepostet werden können) werden mit Nachrichten überflutet, die die Regierungspropaganda wortwörtlich wiederholen.

Nun möchte die chinesische Regierung das tibetanische Volk sogar "umerziehen". Obschon man einerseits den eigenen Weg China´s zu mehr Demokratie respektieren sollte, ist es andererseit eine Schande, alte tibetische Traditionen, die schon immer Menschenrechte respektierten, "umerziehen" zu wollen.




Die chinesischen Behörden haben die Medien aufgefordert, die offiziellen Zahlen von 13 getöteten unschuldigen Zivilisten und 300 durch „Krawallmacher“ Verwundeten beizubehalten. Hingegen geht die tibetische Exilregierung von rund hundert getöteten und mehreren Hundert verhafteten Tibetern aus. Einige pro-Tibetische Gruppen berichten von Tausenden, die in Folterlagern festgehalten werden sollen.
von Dillon veröffentlicht in: Politik
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Mittwoch, 16. april 2008

Wie eine Kontopfändung Michael Panik macht

Die Sparda-Bank, die ehe schon nicht zu den Top-Banken zählt, wirbt mit dem Slogan „freundlich und fair“. Na ja, wer kann heute in Zeiten immer agressiver werdender Verteilungskämpfe noch wirklich freundlich sein? Aber wenn eine Kontopfändung ansteht, hätten die Mitarbeiter der Sparda-Bank München wenigstens so fair sein sollen, Michael vor der Kontopfändung davon in Kenntnis setzen und der Kundenberater der entsprechenden Abteilung der Sparda-Bank München hätte Michael kompetent und sachkundig beraten sollen. Damit hätte die Sparda-Bank zumindest unter Beweis gestellt, dass sie fair ist und deren Mitarbeiter kompetent sind.

Michael, der mit einem nicht pfändbaren Freibetrag auskommen muss, stellt nun Mitte des Monats, als er die noch verbliebenen € 50,- zum Einkaufen abheben wollte, fest, das mit seinem Konto nichts mehr geht. Michael bezieht eine Frührente und  bekommt noch etwas vom Sozialamt dazu, damit er seine Miete zahlen kann. Unterm Strich bleiben ihm montlich € 281,00.

Wenn die Sparda-Bank fair gewesen wäre, hätte sie zumindest den Anspruch, den das Geldinstitut an sich selbst stellt, zur Hälfte erfüllt und Michael nicht in Panik versetzt. Aber in diesem Fall waren Mitarbeiter der Sparda-Bank nicht nur nicht fair, sondern außerdem nicht in der Lage, Michaels Fragen bezüglich der Kontopfändung professionell zu beantworten.

Der betreffende Kundenberater sagte, ein Rechtsanwalt der Kreditkartengesellschaft gebührenfrei.de hätte die Kontopfändung wegen einer nicht bezahlten Kreditkartenschuld verfügt. Und Michaels Rechtsanwalt könne nichts dagegen machen, auch wenn er sich auf den Kopf stellen würde.

Weil Micheal darüber erstaunt war, dass ein Rechtsanwalt angeblich eine Kontopfändung verfügen können sollte, fragte er noch einmal nach, ob ein Rechtsanwalt überhaupt eine Kontopfändung verfügen könne, denn ein Rechtsanwalt muss zuerst einen Titel vom Amtsgericht bekommen, um eine Kontopfändung verfügen zu können und bekam als Antwort von dem Kundenberater der Sparda-Bank München, das hätte er doch schon gesagt. Der Kundenberater war bei Michaels Einwand schon genervt und offensichtlich damit überfordert und nicht kompetent, über Einzelheiten Auskunft zu geben.

Michael fragte sich, wofür denn dieser Kundenberater überhaupt bezahlt wird, wenn dieser schon mit einer solch simplen Fragen überfordert ist, schrieb noch eine Nachricht an die Bank, um seine Enttäuschung über das Kundengespräch darzulegen, bekam daraufhin einen erbosten Anruf  der Filialleiterin, die noch weniger Ahnung hatte und auch persönlich wurde.

Michael hat eine Krebserkrankung, bezieht deshalb eine Frührente und es war bis jetzt eine Erleichterung für ihn, weil es ihm oft nicht so gut geht, seine Überweisungen online zu machen. Nun ist sein Online-Konto gesperrt und er soll, weil sein Einkommen ja nicht pfändbar ist, für jede Überweisung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Sparda-Bank in die Innenstadt fahren, sein Konto innerhalb von sieben Tagen abräumen und seine Überweisungen in bar einzahlen, weil die Sparda-Bank aus technischen Gründen nicht in der Lage ist, für Michael das Online-Banking aufrecht zu erhalten. Das heißt, Michael muss für jede Überweisung fünf Euro zahlen plus U-Bahn hin und zurück, die zusätzlich mehr als acht Euro kostet.

Was Michael aber noch viel schlimmer empfindet, ist die unprofessionelle Kundenbetreuung der Mitarbeiter der Sparda-Bank München, die ja schließlich für ihren Job nicht schlecht bezahlt werden. Oder beschäftigt die Sparda-Bank ebenso wie es die Redaktionen von Printprodukten und Fernsehanstalten dies schon seit langem tun, ewig nur billige Volontäre und Praktikanten, damit sich die CEO´s besser bedienen können, weil die meisten Arbeitsabläufe ehe automatisiert sind? Kundenbetreuungen in Banken sind aber nun mal nicht zu automatisieren. Kunden haben ein Recht darauf, professionell beraten zu werden.

Wäre Michael von einem professionellen Kundenberater der Sparda-Bank München beraten worden, der nicht gleich nach der zweiten Frage überfordert gewesen wäre, hätte der ihm nämlich gesagt, dass ein Rechtsanwalt niemals eine Kontopfändung verfügen kann, sondern nur ein Gericht, bei dem ein Rechtsanwalt eine Kontopfändung beantragt hat. Die Kontopfändung selbst kann nämlich nur von einem Gericht verfügt werden. Und gegen diese Verfügung kann der Kontoinhaber wiederum eine einstweilige Verfügung, in Michals Fall wegen Unzumutbarkeit, anstreben.

Nun muss Michael, wenn es ihm einigermaßen gut geht, mit leerem Magen und schwarz mit den offentlichen Verkehrsmitteln zum Amtsgericht fahren, eine einstweilige Verfügung erwirken und anschließend seinen Rechtsanwalt aufsuchen, der sein Recht gegenüber der Kreditkartengesellschaft gebührenfrei.de vertritt - denn seine Kreditkarte wurde in China von „falschen Freunden“ missbraucht. Dumm gelaufen! Auch für die Sparda-Bank München.

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Samstag, 12. april 2008

 

Will man eine gute Zeit auf dem Dach der Welt verbringen, empfiehlt es sich, mit größeren Geldbeträgen für den Fall, das etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, ausgestattet zu sein

 

Vor etwas mehr als einem halben Jahr ist Steven in den Himalaya aufgebrochen und erlebt seitdem eine Achterbahnfahrt der Empfindungen und Ereignisse, die ihm auch die Welt erklären. Die Fahrt heute mit dem Krankenwagen von Lhasa zum Flughafen verläuft wie im Traum. Fahrer und Beifahrer unterhalten sich monoton und hinten bei Steven, der liegt, sitzt noch ein dritter Begleiter. Aus dieser Perspektive, schräg nach oben aus dem Fenster blickend, rumpelt der Krankenwagen wie ein Raumschiff durch das Weltall. Die Straße ist schlecht. Der Krankenwagen hat wahrscheinlich defekte Stoßdämpfer. Das tiefe Dunkelblau des Weltalls lastet in dieser Höhenlage und in Stevens Situation auf dessen Gedanken. Sein Blick etwas zur Seite nach unten blendet ihn mit gleißendem weißen Licht. Es ist kalt. Der Weg war lang bis jetzt. Dann ist da plötzlich der moderne Flughafen von Lhasa. Eine Stewardess mit einem Rollstuhl erwartet ihn und die Kontrolle ist diesmal nicht so scharf wie bei der Einreise nach Tibet, als einer der beiden Zöllner ein Paket mit Waschpulver, das er ausschütten musste, für Kokain hielt. Der andere Zöllner nahm sogar eine Prise von dem Waschpulver auf seine Zunge.

 

Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug nach der Ankunft in Tibet fühlte sich das Gehen so an, als würde an jedem Bein eine Bleikugel hängen. Die Zollkontrolle durch die chinesischen Zöllner empfand Steven und alle anderen der Trekkinggruppe als Schikane. Erste Bande mit einer japanischen Mitreisenden verflüchtigten sich schnell bei der Aufteilung der Zimmer im Hotel, nachdem alle den traditionellen weißen Schal als Begrüßungsgeschenk bekommen hatten, denn es herrschte eine eisigkalte Athmosphäre. Steven spürte eine Abneigung der tibetischen Hoteliers gegen alles Fremde, die ihren Grund in der Okkupation Tibets durch die Chinesen hat, welche die kulturelle Identität der Tibeter zersetzt.

 

Eigentlich müsste man sich bei solch einer Reise der Höhelage Tibets langsam annähern. So war es auch mit ein paar Jeeps vorgesehen. Doch der nepalesische Veranstalter hatte die Pläne geändert und die Reisegruppe von Kathmandu direkt nach Lhasa hinaufgeflogen. Mit den Jeeps sollte es dann wieder herunter nach Kathmandu gehen. Drei Tage Akklimatisation waren in Lhasa geplant und Steven bekam am zweiten Tag schon die ersten Anzeichen einer Höhenkrankheit. Auf dem Rückweg, in 6000 Meter Höhe am Eisdom des Kailasch, dem heiligen Berg der Tibeter und dem Berg der Götter, wo der Brahmaputra entspringt, ging es ihm dann so schlecht, dass er in ein Krankenhaus gebracht wurde.    

 

Die drei Tage in einem privaten Krankenhaus in Lhasa vergingen im Dämmerzustand. Steven konnte nun überhaupt nicht mehr gehen und war an sein Bett gefesselt. Während der Auslandsrückholdienst der Johanniter noch mit dem Planen der Rückholaktion beschäftigt war und Steven auch Vorwürfe machte, wieso er denn in diese Höhenlage gereist sei, denn die Höhenkrankrankheit kam von seiner Krebserkrankung vor acht Jahren, waren da plötzlich drei Chinesen, die ihn nicht mehr aus den Augen ließen, sein Handy an sich nahmen, womit die spärliche Kommunikation mit dem Auslandsrückholdienst der Johanniter ganz zum Erliegen kam und sich fürsorglich um ihn kümmerten, ihm etwas zum Essen besorgten und sogar seine Pinkelflasche hielten. Einer der drei verbrachte sogar die beiden Nächte in einem freien Bett des einzigen Raumes in dem Krankenhaus. Das Personal des privaten Krankenhauses hatte keine Ahnung, wie der Patient zu behandeln ist. Das Einzige, was die beiden anwesenden Frauen, die auch ihre Kinder dabei hatten und sich deshalb mehr um ihre Kinder kümmerten, als um die beiden Patienten des Hospitals, für Steven tun konnten, war, seine Sauerstoffmaske von Zeit zu Zeit zurecht zu rücken. Steven selbst wusste nicht, wo er war, was mit ihm geschah und hatte wirre Albträume. Ein Arzt war überhaupt nicht zu sehen und die sanitären Anlagen befanden sich in einem katastrophalen Zustand, wie er bei der Auslieferung, noch immer liegend, feststellte. Für die Höhe des Rechnungsbetrages des Krankenhausaufenthaltes hatte Steven in seiner Situation keine Erkenntnismöglichkeiten. Und wenn er Erkenntnismöglichkeiten gehabt hätte, wäre ihm der Rechnungsbetrag auch egal gewesen, denn er wollte einfach nur weg aus dieser Tristesse.

 

Für die Begleichung des Rechungsbetrages kamen eigens zwei Bankangestellte einer chinesischen Bank mit einem Lächeln an Stevens Bett, nachdem einer der ständigen Begleiter nach Stevens Kreditkarte gefragt hatte. Eine der beiden Bankangestellten hantierte mit einem ein Zentimenter dicken Bündel von Geldscheinen. Die Rechnung sollte er in Deutschland bei seiner Auslandskrankenversicherung einreichen. Das Geld bekäme er dann zurück, sagte einer der Begleiter zu ihm. Vor der Einlieferung in das Krankenhaus, oder zwischendurch oder danach, Steven weiß es nicht mehr genau, brachten ihn zwei seiner Begleiter in einem dicken Geländewagen dann noch zu einem Geldautomaten in eine weitere Bank, stützten ihn, weil er ja nicht richtig gehen konnte, führten ihn torkelnd zu einem Geldautomaten und fragten nach seiner Geheimnummer, denn es musste ja noch das Geld für ein Ticket hinunter nach Chengdu besorgt werden. Nach unzähligen Versuchen, die richtige Geheimzahl einzugeben, kam dann das Geld. Keinem der Bankangestellten und auch nicht dem anwesenden Sicherheitspersonal der örtlichen Polizei kamen wegen dieses Vorganges Bedenken. Mit Steven hätte man alles machen können, weil er vollkommen willenlos und auch hilflos war. Andererseits war er aber auch seinen Helfern dankbar, dass sie sich um ihn kümmerten. Es schien, als wäre das alles ganz normal.

 

Stevens Blut bekam in dieser Höhenlage durch den Einfluss, den seine Krebserkrankung auf seine Gesundheit hinterlassen hatte, nicht genügend Sauerstoff, was er vorher nicht wissen konnte. Er wollte herausfinden, was nun noch möglich ist. Steven möchte heute die ganze Himalaya-Geschichte noch einmal machen, weil er dort oben im Himalaya von der Faszination der Unendlichkeit inspiriert war und Gott näher kam. Aber auf seine Weise und ohne ein Defizit von mehr als 3000 Euro, wie sich später herausstellte.  In umgekehrter Richtung, also langsam herauf, hätte er vielleicht nicht die Höhenkrankheit mit ihren für Steven speziellen Auswirkungen bekommen.

 

Aber trotz aller Schieflagen war es gut, dass die Leute, die sich um Steven kümmerten, ihn schnell nach Chengdu heruntergeflogen haben und damit sein Leben retten konnten, während die Ärzte des Auslandsrückholdienstes der Johanniter erst noch die Rückholaktion beraten und planen mussten und nicht den Ernst der Situation erkannten. Stevens Helfer hingegen kennen solche lebensbedrohenden Situationen und geschäftstüchtig, wie die Chinesen nun mal sind, wissen sie, woraus Kapital zu machen ist.

 

Dann ging alles sehr schnell. Der Flug in der ersten Klasse erschien so kurz, dass Steven noch nicht einmal zwei Gemüserollen herunter bekam, was jedoch eine Täuschung sein musste. Zwei Gemüserollen bekommt man in einigen Minuten herunter. Der Flug dauerte aber mehr als eine Stunde. Sein Wahrnehmungsvermögen spielte verrückt. Als das Flugzeug gelandet war, kam sein Leben zurück. Er musste noch sitzen bleiben und eine aussteigende junge Europäerin sagte, nun hätte er wieder Farbe im Gesicht. Eine andere junge Frau, eine Asiatin, wollte genau wissen, wohin es jetzt geht und wo er wohne. Die Leute, die Steven begegneten, waren alle sehr nett, im Gegensatz zu dem Krankenhauspersonal in Lhasa, das sich eigentlich gar nicht um ihn gekümmert hat.

 

Duxin wartete schon in der Empfangshalle des Flughafens in Chengdu und brachte den aus Lhasa kommenden Patienten in einem Offroad-Auto, in dem noch ein Arzt und eine Krankenschwester saßen, mit Blaulicht durch den dichten Verkehr Chengdu´s in ein weiteres Krankenhaus. Alles war gut organisiert. Der Smog der Megastadt war nach der sauberen Luft im Himalaya wie ein weiterer Albtraum. Das Krankenhaus war voll mit Menschen und der Notaufnahmearzt, der in einem vergilbten schmutzigen Kittel steckte, sah aus wie ein Schwerstarbeiter und schwitzte. Duxin wich ebenfalls nicht von Stevens Seite. In der ersten Nacht schlief auch er auf einem Stuhl im Krankenzimmer, weil kein weiteres Bett mehr frei war. Um Besuchszeiten scherte sich niemand.

 

Am zweiten Tag konnte Steven wieder gehen und am dritten Tag brachte Duxin ihn in ein Hotel. Er hatte einen Rückflug über Beijing nach Deutschland organisiert. Steven war seiner selbst noch nicht sicher und man konnte immer noch alles mit ihm machen. Wäre es nach ihm gegangen und hätte er gewusst, dass es ihm nun schnell wieder gut geht, wäre er nicht nach Deutschland zurückgeflogen, sondern hätte erst einmal seinen Koffer mit seinen Sachen in Kathmandu abgeholt.

 

Doch plötzlich war er in Beijing und erreichte gerade noch seinen Flieger nach Deutschland. Zuvor hatte Duxin ihn ebenfalls zu einer Bank geschleppt, ihn nach seiner Geheimnummer gefragt, einen weiteren Geldbetrag abgehoben und in der zweiten Nacht des Krankenhausaufenthaltes in Chengdu seine Tasche mit der Begründung, im Krankenhaus könnte geklaut werden, mit sich nach Hause genommen. Steven vertraute Duxin – obwohl er wegen der Nacht ohne Reisepass in China nicht schlafen konnte, weil er den Morgen und Duxin mit dem Reisepass herbeisehnte. Alles verlief ähnlich wie in Lhasa. Dieses Krankenhaus war zwar wesentlich besser ausgestattet, dafür bedeutend billiger und auch hier bekam er eine Rechnung. Die Rechnungen beider Krankenhäuser waren jedoch in Deutschland nicht mehr auffindbar. Wollte Duxin Stevens Tasche mitnehmen, um die Rechnungen verschwinden zu lassen?

 

Steven schien es, dass seine Helfer in Lhasa ihn deshalb ohne schlechtes Gewissen das Bankpersonal ans Bett schickten und ihn danach nach seiner Geheimzahl fragten und dass Duxin ihn ohne Bedenken eine Nacht ohne Reisepass ließ und ebenfalls nach seiner Geheimzahl fragte und mit dem Geldabheben die gleichen Schwierigkeiten hatte, wie Stevens Helfer in Lhasa, deswegen ebenfalls unzählige Versuche im Beisein des ebenfalls in der Bank anwesenden polizeilichen Sicherheitspersonals benötigte und ein chinesischer Polizist des Sicherheitspersonals drei oder vier Mal die vom Geldautomaten verschluckte Kreditkarte hinten wieder herausholen musste, dass dies alles irgendwie ganz normal für chinesische Verhältnisse ist, weil die wirklich nicht wissen, was Menschenrechte sind, die es zu achten gilt. Dass irgendein Polizist ohne weiteres einen Geldautomaten öffnen kann, wer kann sich das schon vorstellen!

 

Zurück in Deuschland geht die Achterbahnfahrt der Empfindungen und Ereignisse weiter. Sein Zimmer in seiner Wohngemeinschaft ist noch über Monate vermietet, weil Steven vor dem Ausbruch seiner Höhenkrankheit geplant hatte, von Tibet weiter nach Indien, von wo er über Kathmandu nach Tibet eingereist war, nach Thailand zu reisen. Sein Koffer mit seinen Sachen ist aber nun in Kathmandu und er ist in Deutschland, weshalb er seinen Koffer nach Bangkok schicken lassen wird, dann über Paris und London fahren wird und von London nach Bangkok fliegen wird. In Bangkok wird er aber feststellen müssen, dass es nicht einfach sein wird, an seinen Koffer heranzukommen, weil der thailändische Zoll den Kofferinhalt von der Socke bis zum Laptop, mit einer Einfuhrsteuer belegt hat und Steven nicht nur sämtliche Zolldeklarationen über sich ergehen lassen wird, sondern auch noch gleich zweimal mehr Steuern zahlen wird, die sich die korrupten Zöllner in die eigene Tasche stecten. Aber dies ist eine andere Geschichte.

von Dillon veröffentlicht in: Gesellschaft
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Freitag, 22. februar 2008

Solange es Zinsen gibt, wird das Geld immer dahin fließen, wo schon genügend Geld ist.

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Nein, Eigentum ist kein Diebstahl! Aber wieviel läuft in diesem Staat eigentlich schief, wenn der Bundesnachrichtendienst mit denselben Methoden arbeiten muss wie Gangster. Es muss schon einiges mehr sein, als die Steueraffäre der letzten Tage, die der Bundesnachrichtendienst durch einen Deal mit einem Kriminellen, der gestohlene Informationen über Steuersünder für viel Geld an unsere Regierung verkaufte, aufgedeckt hat. Auf Sizilien hat die Mafia schon immer das Sagen. Leben auch wir in einem Staat, in dem nur die Dealer erfolgreich sind, die sich gegenseitig Arbeit und viel Kapital zuschieben? Oder wird die ganze Welt mittlerweile von der Mafia beherrscht – die aus dem von der arbeitenden Bevölkerung erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt durch die Anlage dieses Kapitals in Steueroasen noch mehr Kapital macht und dann durch Spekulationsgeschäfte auch noch mit Geld arbeitet, das überhaupt nicht vorhanden ist, unser Bruttoinlandsprodukt verzockt - während viele von denen, die das Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet haben, am Limit leben?

Wenn dies so sein sollte und es hat den Anschein, dass es so ist, haben längst mafiöse Strukturen die sogenannte soziale Marktwirtschaft abgelöst und die Ereignisse der aktuellen Steueraffäre sind nur die Spitze eines Eisberges. Aber solange unsere Eliten nicht einsehen wollen, dass das keynesianische Selbstverständnis, wonach die Ökonomie der Ursprung aller Dinge ist, längst ausgedient hat, wird sich an den Kräfteverhältnissen nicht viel ändern. Das Prinzip ist einfach: Es gibt Reichtum, weil es Armut gibt. Die gesamte Entwicklungsgeschichte seit der industriellen Revolution basiert auf dem Prinzip der Ausbeutung breiter Bevölkerungsschichten durch die Macht der Eliten. In anderen Formen gab es dieses Prinzip auch schon in der Kolonialzeit und der Feudalherrschaft. Es hat sich also nichts geändert!

Während die Evolutionsgeschichte auf dem Prinzip der natürlichen Auslese basiert, in dem nur der Stärkere überlebt, muss dies noch lange nicht bedeuten, dass die Macht der Eliten auch gleichzeitig deren Stärke ist und diese Eliten mit dem Kapital, das zum größten Teil andere erwirtschaftet haben, deshalb machen können, was sie wollen. Auch durch die Rüstungsgeschäfte der Staaten wird Macht, die Eliten Stärke gibt und gleichzeitig Wirtschaftswachstum für die, die Waffen verkaufen, im Sinne des Prinzips, der Stärkere überlebt, aufrechterhalten.

In der besten Staatsform, der Demokratie, sollten die Stärken und Möglichkeiten aller Gruppen aber ausbalanciert sein. Die Evolutionstheorie Darwin belegt die Entstehung der Arten, solange diese nicht intelligent waren. Wir, als intelligente Wesen, sollten unseren Verstand eigentlich dafür einsetzen, dass die Eliten nicht immer wieder die Stärkeren sind. Aber die Eliten schieben sich weiter Arbeit und Kapital zu, um ihren Status quo zu erhalten, weil die anderen deren Produkte wollen.

Aber heute geht es um mehr. Es geht um unser Überleben auf diesem Planeten und die Verwirklichung einer humanistischen Gesellschaft, die unser Überleben auf diesem Planeten garantiert - sollten wir nicht nur ein Zufall der Natur sein. Der Planet braucht uns nicht, aber wir brauchen den Planet. Sollten wir uns zu der Entscheidung durchringen, dass zumindest die Möglichkeit besteht, dass wir eventuell kein Zufall der Natur sein könnten, deren Zivilisationen immer wieder untergegangen sind, geht es heute um die Verwirklichung des göttlichen Prinzips nicht nur als eine Showveranstaltung des Vatikans, dessen Motto das gleiche ist, wie das Freddy Mercury´s: „The Show must go on“.

Obschon wir in einer Demokratie leben, wo jeder selbst entscheiden kann, was am wichtigsten ist, könnte heute die Frage Alexis de Tocquilles, ob demokratische Staaten demokratisch bleiben oder in die Hände neuer korrupter Aristokraten der Marktwirtschaft geraten, neuen Aufschwung bekommen. Die Schuld an diesem System, so wie es heute ist, tragen wir alle. Die Globalisierung, die vielen Ländern einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat, ist einerseits der richtige Weg, aber andererseits hilft die Globalisierung wiederum nur den Eliten, weil die Globalisierung von diesen Eliten gestaltet wird. Jede Minute sterben tausende Kinder und das Leid in der Welt scheint sich eher durch die Teilhabe von Ländern der Dritten Welt an der freien Marktwirtschaft zu verstärken, weil auch dort Eliten breite Bevölkerungsschichten ausplündern. Bevölkerungsschichten, die nicht mehr als ihr nacktes Leben haben, werden einfach vertrieben und getötet.

Es bleibt allem Anschein nach so, wie es immer gewesen ist. Wir alle lassen uns ebenso betören von diversen Showveranstaltungen der Religionen, der politischen Klassen und von den noch viel subtileren Showveranstaltungen des Marketings von Produkten. Und genau davon leben die Eliten sehr gut, während andere deswegen sterben. Wenn alles so bleibt und die Menschheit ihre humanistischen Ideale nicht verwirklichen kann, werden wir in Kürze nur eine Spielart der Natur gewesen sein. Spätestens dann, wenn sich das Kapital in dem Maße monopolisiert hat, dass keine sinnvollen Produkte wie ausreichend Lebensmittel mehr hergestellt werden können, weil lukrativere Spekulationsobjekte höhere Renditen in Aussicht stellen.

Auch weil es bei den Spekulanten immer mehr Verlierer gibt, könnte der Schatz der zuletzt übrig gebliebenen Elite, die dann nur noch Katastrophenkapitalismus mit Rüstungsgütern betreiben kann, in einem gleißenden Pilz verpulvert werden. Und dann könnten wir wirklich nur ein Zufall in der Evolution gewesen sein. Es ist eben nicht so, dass die freie Marktwirtschaft alles regelt. Wie lange sollen wir uns diesen Blödsinn noch anhören und was können wir tun, um die zerstörerische Gier der Nimmersatten zu stoppen, die mangels Investitionsbereitschaft wegen niedriger Renditen, das Kapital lieber in Steueroasen stapelt und uns Jobs anbieten, die wie ein Schneeballsystem funktionieren. Es werden Millionen versprochen, wenn man eine bestimmte Software kauft, die als Geldmaschine bezeichnet wird und jeder mit dem Einsatz dieser Software angeblich reich werden kann. In Wirklichkeit geht es darum, möglichst viele neue Abnehmer für diese Software zu finden, die wiederum alle wieder noch mehr Käufer finden solen und den letzten beißen die Hunde.

Anfangen muss jeder bei sich selbst. Und jeder hat sowohl diese Gier nach immer mehr aber auch die Fähigkeit, das humanistische Ideal verwirklichen. Die Verwirklichung dieses humanistischen Ideals war auch das Anliegen Jesus. Das Prinzip der Verwirklichung dieses humanistischen Ideals ist so alt wie unsere Kultur. Der griechische Philosoph Platon hat insbesondere das Szenario des Marktgeschehens mit Handlungen auf einer Bühne verglichen, von denen das Publikum nur die Schatten sieht, die nicht die Wirklichkeit sind.

Heute gibt es viel subtilere Methoden, uns auf ökonomische Kategorien zu reduzieren. Adorno erschien bereits 1952/53 in seinen Studien “Prolog zum Fernsehen” und “Fernsehen als Ideologie”, das Fernsehen als geeignet, die gesamte sinnliche Welt zu erreichen und im Interesse der Kulturindustrie einzusetzen. “Dem Ziel, die gesamte sinnliche Welt in einem alle Organe erreichbaren Abbild noch einmal zu haben, dem traumlosen Traum, nähert man sich durchs Fernsehen und vermag zugleich ins Duplikat der Welt unauffällig einzuschmuggeln, was immer man der realen Welt für zuträglich hält. Die Lücke, welche der Privatexistenz vor der Kulturindustrie noch geblieben war … wird verstopft”. Adorno ist schon Anfang der 50er Jahre bewusst, dass ein Medium, das Millionen erreicht, als eine Stimme des objektiven Geistes gilt, auch wenn dieser nicht aus dem gesellschaftlichen Kräftespiel resultiert, sondern industriell geplant ist und an das Bewusste und Unbewusste anknüpft. Unsere wirklichen Abhängigkeiten und Bedürfnisse scheinen uns dabei so wenig bewusst zu sein, dass wir diese durch fremde Machtinteressen und Profitstreben ständig einschränken und vermarkten lassen. Halten das, was wir wahrnehmen, für die vollständige Realität?

Gleichzeitig leben wir in einer Zeit unterdrückter globaler existentieller Bedrohung, die gekennzeichnet ist, durch die zunehmende Gefahr von Kriegen, ökologischen Katastrophen, Entdemokratisierung und gesellschaftlicher Verdrängung. Ursachen dafür sind nach der Psychoanalyse zu finden in der Unbewusstheit des Einzelnen und des Kollektivs gegenüber der Verdrängung persönlicher Bedürfnisse. Unterdrücktes erzeugt Angst, die, wenn sie zu groß wird, zu gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen führen kann, die sich in Hass und Gewalt entladen.

Jeder hat aber auch die Fähigkeit, zu denken und zu lieben. Will man sich beim Denken nicht im Kreis drehen, steht am Ende eines Gedankens immer die universelle Liebe. Am klarsten kommt der Ansatz der universellen Liebe im Buddhismus zum Vorschein, der in der Enthaltsamkeit das findet, wonach wir alle suchen: Das Glück! Wir können das Glück nicht wirklich in den verborgenen Milliarden versteckter Konten finden. Darum wollen die, die das Geld haben, ja auch immer mehr. Aber je mehr sie bekommen, desto unzufriedener werden sie und desto größer wird die Gier. Der Planet könnte die Menschheit um ein vielfaches ernähren und würde selbst keinen Schaden nehmen. Das, was momentan rund um den Erdball geschieht, ist zutiefst inhuman und böse und kann nur in einer Apokalypse ungeahnten Ausmaßes enden und die Evolution würde noch mehr oder weniger Evolutionsstufen brauchen, damit es so laufen würde, wie es richtig ist. Um nicht nur ein Zufall der Evolution gewesen zu sein, dazu noch ein böser Zufall, müssten wir uns ändern, damit wir zumindest ein guter Zufall der Natur waren und vielleicht sogar das göttliche Prinzip verwirklichen können. Dann würden wir kein Zufall sein und es würde auch weitergehen. Und zwar für immer!

von Dillon veröffentlicht in: Politik
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Montag, 11. februar 2008

Die Gerechtigkeit ist wie ein Spinnennetz - die Kleinen hält es fest - die Großen zerreißen es einfach


In vier Filmen schildert das ZDF momentan eine Zeitepoche, die im Vergleich zu heute wie ein Traum erscheint. In jenem Jahr kommen die linkspolitische Bewegung und die popkulturelle Revolution der 60er Jahre zu einem schicksalhaften Höhepunkt. Von dem, was damals ausprobiert wurde, findet man heute nur noch schemenhafte Spuren. Alles schien möglich. Doch der Zeitgeist hat sich wieder auf alt hergebrachtes eingependelt. Mit der Ermordung J. F. Kennedys haben die ewig gestrigen wieder das Ruder übernommen.

 Auch heute setzt sich diese Tendenz weiter fort. Die Ermordung Benazir Bhutto´s vor einigen Wochen ist der aktuelle Beweis, dass es trotz augenscheinlich demokratischer Strukturen eine kleine versteckte Machtelite gibt, die immer wieder über Leichen geht, damit alles solange in ihrem Sinne weitergeht, bis es nicht mehr weitergeht und selbst zum Schluss noch Kasse macht.

 Vorbereitungen für diesen Katastrophenkapitalismus wurden am Wochenende auf der Münchener Sicherheitskonferenz getroffen. Die Münchener Sicherheitskonferenz ist aber leider keine Sicherheitskonferenz, sondern dient der Vorbereitung von Kriegen, wie die Okkupation Afghanistans durch die NATO. Und Deutschland wird immer tiefer in den Kriegssumpf hineingezogen, den die USA als Krieg gegen den Terrorismus bezeichnen.

 In Wirklichkeit aber dient dieser Einsatz dazu, neue Absatzmärkte für den kränkelnden Spätkapitalismus unserer Zeit zu generieren, neue Rohstoffmärkte zu erschließen und den Profit einer kleinen Machtelite zu schützen. Dazu werden Familien zerrissen, Menschen vertrieben und getötet. Auch unsere Regierung treibt hierzulande immer mehr Menschen in die Armut und investiert lieber in Rüstungsgeschäfte, die dem Katastrophenkapitalismus dienen, als in Maßnahmen gegen soziale Ungerechtigkeit.

 Aber ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben. Am Ende kann diese Machtelite ihren Schatz dann nur noch in einem gleißenden Pilz verpulvern. Bis dahin wird diese Machtelite sich selbst weiter mit Produkten versorgen, die sie nicht so sehr braucht, wie das, was vor 40 Jahren einmal für kurze Zeit in Erscheinung getreten war: die Freiheit der Bewegung über Grenzen hinweg, die Familie und die Liebe sowie Verständnis für andere Kulturen.

von Dillon veröffentlicht in: Politik
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Samstag, 9. februar 2008
In vier Filmen schildert das ZDF momentan eine Zeitepoche, die im Vergleich zu heute wie ein Traum erscheint. In jenem Jahr kommen die linkspolitische Bewegung und die popkulturelle Revolution der 60er Jahre zu einem schicksalhaften Höhepunkt. Von dem, was damals ausprobiert wurde, findet man heute nur noch schemenhafte Spuren. Alles schien möglich. Doch der Zeitgeist hat sich wieder auf alt hergebrachtes eingependelt. Mit der Ermordung J. F. Kennedys haben die ewig gestrigen wieder das Ruder übernommen. Auch heute setzt sich diese Tendenz weiter fort. Die Ermordung Benazir Bhutto´s vor einigen Wochen ist der aktuelle Beweis, dass es trotz augenscheinlich demokratischer Strukturen eine kleine versteckte Machtelite gibt, die immer wieder über Leichen geht, damit alles solange in ihrem Sinne weitergeht, bis es nicht mehr weitergeht und selbst zum Schluss noch Kasse macht. Am Ende kann diese Machtelite ihren Schatz dann nur noch in einem gleißenden Pilz verpulvern. Bis dahin wird diese Machtelite uns weiter mit Produkten versorgen, die wir nicht so sehr brauchen wie das, was vor 40 Jahren einmal für kurze Zeit in Erscheinung getreten war: die Freiheit der Bewegung über Grenzen hinweg, die Familie und die Liebe.
von Dillon veröffentlicht in: Gesellschaft
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Donnerstag, 7. februar 2008

Hochkarätige Wissenschafts-Autoren im interdisziplinären Austausch.

Auf ScienceBlogs können Internet-User die aktuelle Columbus-Mission des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitverfolgen. Heute soll das europäische Forschungslabor ins All zur internationalen Raumstation ISS transportiert werden. Mitarbeiter des DLR berichten auf www.scienceblogs.de über den Verlauf der Unternehmung.

 

ScienceBlogs, die weltweit führende Wissenschafts-Community, hat in Deutschland nach sechs Wochen ihre Beta-Phase beendet und präsentiert sich mit weiteren exklusiven Inhalten und in neuem Layout. Mittlerweile haben sich 23 hochkarätige Autoren auf der Online-Plattform vernetzt und schreiben über Themen aus Wissenschaft und Forschung. „Für unsere User bereiten wir ein breites Themenspektrum multimedial auf und fördern den interdisziplinären Dialog“, sagt Managing Editor Beatrice Lugger.

 

Adressaten sind die so genannten Leonardos, die Wissens-Elite, der in Deutschland ca. 2,35 Millionen Menschen angehören. Leonardos zeichnen sich durch tiefes und übergreifendes Themeninteresse an Wissenschaft, Politik und Kultur aus. Knapp die Hälfte von ihnen hat ein abgeschlossenes Hochschulstudium und zeigt eine überdurchschnittliche Affinität zu Online-Angeboten (Quelle: Typologie der Wünsche 2007/08).

 

ScienceBlogs steht in der langen Tradition der Hubert Burda Media in der Unterstützung und Anregung des wissenschaftlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit. In den USA ist ScienceBlogs bereits ein großer Erfolg. Vor zwei Jahren gestartet, erreicht das Netzwerk heute mit rund 70 Autoren knapp zwei Millionen Millionen Page Views im Monat. Dazu kommen durchschnittlich zehn Kommentare pro Blogeintrag. Sie gehört zu den meistverlinkten Websites nach dem Technorati.com-Index und syndiziert ihre Inhalte an namhafte Partner.

von Dillon veröffentlicht in: Wissenschaft
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Donnerstag, 24. januar 2008

Die Medien ziehen sich immer mehr von der aufwendigen journalistischen Arbeit zurück. Es fehlt Geld für Reporter und Rechercheure, insbesondere der investigative Journalismus hat enorm gelitten. Wachsendes Desinteresse der Amerikaner an den klassischen Nachrichtensendungen und Zeitungen macht das ganze zu einem Teufelskreis: «Die alten Medien sterben». Während 1965 laut Studie des PEW-Instituts in Washington noch 71 Prozent der Amerikaner Zeitungen lasen, sind es heute nur noch etwa 40 Prozent.

Die «Angst» geht um unter den US-Journalisten. Amerikaner nutzen das deutsche Wort «Angst», wenn sie eine besondere Bedrohlichkeit des Gefühls beschreiben wollen. Genau so sieht der Direktor des Journalismus-College der Universität Maryland, Prof. Thomas Kunkel, die Sorgen der Branche. Werden gut ausgebildete Journalisten «einmal so anachronistisch sein wie heute der Setzer in der Zeitung?», fragt Kunkel im Medien-Blatt «American Journal Review» (AJR). Nicht ganz, meint er, «aber der unbarmherzige Druck des modernen Nachrichtengeschäfts» werde den Journalismus in ungeahntem Ausmaß verändern.

von Dillon veröffentlicht in: Medien
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Profil

  • : Dillon
  • dillen
  • : männlich
  • : Redakteur mit den Ressorts Wissenschaft, Kommunikation und Medien.

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